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Über mich

Christa Wüthrich ist freie Journalistin. Als Autorin, Lehrerin und IKRK Delegierte hat sie im In- und Ausland gearbeitet.

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Da steppt der Bär!

Da steppt der Bär!

Ob aus weichem Fell, süssem Fruchtgummi oder reiner Fantasie: Das Appenzeller Volkskunde-Museum in Stein widmet «Meister Petz» eine Sonderausstellung.

Herbert wurde während des Zweiten Weltkriegs in Deutschland geboren, von einem jungen Soldaten gekauft und als Abschiedsgeschenk, vor der Abreise an die Front, an seine Verlobte Rosmarie weitergegeben. Der Soldat blieb verschollen, Herbert wurde weiterverschenkt und landete mitten im Krieg bei einem kleinen Mädchen unter dem Weihnachtsbaum.

Es zeigte sich bald: Herbert war aus dem Stoff gemacht, aus dem Helden sind. Er überzeugte nicht nur als kleiner Bär, ewiges Baby und grosser Bruder, sondern auch als Josef beim Krippenspiel. Zwar wurde er mit dem Alter dünnhäutiger, aber nicht weniger effektiv als Tröster und Wächter. Er wirkte Wunder – in Kinderheimen, Ferienlagern und schlussendlich als Herzstück einer Bärensammlung seiner Besitzerin. Im hohen Alter nun avanciert Herbert zum Vorzeigebären und beliebten Fotosujet: Bis Ende April 2019 sitzt er noch friedlich hinter einer Glasscheibe im Volkskunde-Museum im appenzellischen Stein und gibt – gekleidet in kurzer Hose und baumwollenem Hemd – seine überraschende Lebensgeschichte zum Besten. Er ist damit einer der Leitbären der Sonderausstellung «Der Appenzeller Bär macht Karriere».

Fakten und Geschichten
Flankiert wird Herbert von den unterschiedlichsten Bärentypen: Vom traditionellen dunklen Fellteddy bis hin zum «schrägen Vogel» in Weiss mit orangen Augen und schwarzen Wimpern. Lieblich arrangiert und mit Gedichten beschrieben zeigen sich die Teddys in verschiedenen Szenen als Floristenbär, Weihnachts-Petz oder Marroni-Teddy. Die Ausstellung beschränkt sich jedoch nicht nur auf den Bären als Sammelobjekt und Spielkameraden, sondern vermittelt Wissen und Fakten. Zur Geschichte der Teddybärendynastie Steiff und der Entstehung der Haribo-Bären gibt es Dokumentarfilme. Umrahmt wird die Ausstellung von Bildern der deutschenTeddybären-Fotografin Ulrike Schneiders.

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Im Hinterzimmer der Bäckerei «Gipfeli» bei Familie Bär. (Bild Ulrike Schneiders / Appenzeller Volkskunde Museum)

Dem Bären in Literatur und Film widmet sich ein separater Teil der Ausstellung. Im Hauskino wird an ausgewählten Daten der Animationsfilm «Das Dschungelbuch» in der Version von 1967 gezeigt. Die Besucher sind aber nicht zum passiven Bären-Bewundern verdammt. Jeweils mittwoch- und samstagnachmittags können kleine und grosse Bärenfans im «bärigen Stübchen» mit der professionellen Hilfe einer Bärenmacherin ihren eigenen Teddy gestalten.

Wappentier und Filmheld
Um den Bären eine gesamte Ausstellung zu widmen, ist das Appenzellerland der ideale Ort. Der Bär ist das stolze Wappentier des Standes Appenzell. Seit Anfang des 15. Jahrhunderts zeigt er sich aufrecht gehend in den Wappen der beiden Halbkantone. Der Urbär scheint somit ein Appenzeller gewesen zu sein. Mit der Sonderausstellung ist er nun in den verschiedensten Facetten auf Heimatbesuch. Nur auf den Namen «Teddybär» hatten die Appenzeller keinen Einfluss. Dies übernahm Theodore «Teddy» Roosevelt. Der ehemalige Präsident der USA soll sich 1902 während einer Jagd geweigert haben, einen kleinen Schwarzbären zu töten. Karikaturisten griffen die Szene unter dem Titel «Teddy’s Bear» auf. Der Begriff mauserte sich in Windeseile zu blieb bis heute bestehen.

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Winterschmaus der Bären. (Bild Ulrike Schneiders / Appenzeller Volkskunde Museum)

Die Ausstellung läuft bis 28. April jeweils Dienstag bis Sonntag, 10 – 17 Uhr. www.appenzeller-museum.ch
publiziert Januar 2019, „Tierwelt (03/2019)

 

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