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Über mich

Christa Wüthrich ist freie Journalistin. Als Autorin, Lehrerin und IKRK Delegierte hat sie im In- und Ausland gearbeitet.

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Der wahre Ötzi?

Der wahre Ötzi?

Er ist mit seinen 40’000 Jahren fast acht Mal so alt wie Ötzi und seine DNA ist so gut erhalten, dass er geklont werden könnte. Doch trotz der Wichtigkeit für die Forschung und einer abenteuerlichen Lebensgeschichte kennt Dima kaum jemand. Eine der größten Mumienausstellungen der Welt in Basel setzt ihn, das besterhaltene Mammutkalb, nun in Szene. Dima der heimliche Mumienstar oder gar der wahre Ötzi?

Forscher gehen davon aus, dass Dima im Alter von vier bis sechs Monaten in eine feuchte Schlammmulde rutschte. Das an die 115 Kilo schwere Kalb konnte sich aus eigner Kraft nicht mehr befreien. Es schluckte Dreck und seine eigenen Haare. Vor Erschöpfung versank der Rüssel im Schlamm und das Tier erstickte. Experten gehen davon aus, dass der Todeskampf fast eine Woche dauerte.

Illustration aus dem Buch «MUMIEN — Der Traum vom ewigen Leben».

Es war Herbst in Sibirien. Eisadern trieben die Feuchte aus dem toten Mammut und schafften die Grundkonditionen für eine vertrocknete Mumie und schnelles Gefrieren. Im Permafrostboden Sibiriens wurde Dima über Jahrtausende konserviert. Erst 1977 wurde das Kalb bei der Goldsuche gefunden. Kurator Loïc Costeur beleuchtet nun in seiner Ausstellung die gesamte Geschichte Dimas. Einige Fragen bleiben jedoch offen. Wie ist das  Museum Basel in den Fall «Dima» involviert? Wie wichtig ist die Mumie wirklich für die Forschung? Und wann wird das erste Mammut geklont?

«Dima – der Star der Ausstellung » oder gar ein «heimlicher Ötzi»? In wie weit stimmen diese Aussagen für sie als Kurator?»
Loïc Costeur: «Ich würde nicht sagen das Dima der Star dieser Ausstellung ist oder gar ein «heimlicher Ötzi». Mammut-Mumien sind Highlights und wichtige Objekte für unsere Ausstellung. Sie bringen viele Informationen zu ausgestorbenen Tieren. Ötzi bringt gleich so viele Infos über das Leben der Menschen vor 5‘000 Jahren, was auch für uns als Menschen wichtig ist. Klar die Mammut-Mumien sind oft viel älter als Ötzi, was nicht Ötzi in den Schatten stellt, aber was uns auch zeigt, dass die Zeit immer sehr relativ ist.»

Ohne Dima und andere Mammut-Mumien wäre ein ganzer Teil der Evolution der Elefanten nicht bekannt.

Wie wichtig ist eine Mumie wie Dima für die Wissenschaft?
Loïc Costeur: «Mammut-Mumien haben viele Informationen geliefert zum Beispiel betreffend dem Aussehen der Tiere. Länge der Haare, Grösse der Ohren – so was hätte man nicht anhand von Knochen herausgefunden. Was bei Mumien einzigartig bleibt, ist dass Mageninhalte und Organe (Gehirn, Lunge etc.) erhalten sind. Man lernt viel mehr über die Biologie und Ökologie der mumifizierte Tiere. Bei «normale Fossilien» (Versteinerungen) ist das nicht der Fall. Ohne Dima und andere Mammut Mumien wäre ein ganzer Teil der Evolution der Elefanten nicht bekannt.»

In der Ausstellung sieht der Besucher den ersten Harzabguss des Tieres, angefertigt Ende der 1970er Jahre von Daniel Oppliger, dem damaligen Präparator des Naturhistorischen Museums Basel. Wie wichtig war dieser Abguss fürs Museum in Basel, für die Forschung?
Loïc Costeur: «Der erster Abguss von Dima zu haben war ein Highlight. Es ist eine Ehre gewesen, dass der Präparator ausgewählt wurde um diesen Abguss anzufertigen. Es zeigt wie engagiert das Museum ist und dass wir immer sehr kompetente Leute angestellt haben.»

Harzabguss von Diva. Bild aus  «MUMIEN — Der Traum vom ewigen Leben».

Teile der DNA des Mammuts konnten entschlüsselt werden. Die Frage des Klonens taucht damit auf. Auf rein wissenschaftlicher Basis gesehen – ohne ethische, moralische oder logistische Aspekte in Betracht zu ziehen: Wie erfolgsversprechend wäre ein Klonversuch von Dima heute?
Loïc Costeur: «Das Klonen von Mammuten wird, leider, hoch wahrscheinlich gemacht. Technisch ist es machbar. Aber die DNA ist durch das Einfrieren beschädigt, und man kann noch nicht alles rekonstruieren. Die Frage ist, was wird dann produziert? Ein Mammut vielleicht, aber nur von aussen gesehen. Das ganze interne Ökosystem eines Mammuts (die Millionen Bakterien, Mikroorganismen, die für jede Arte spezifisch und lebenswichtig sind) kann zur Zeit überhaupt nicht rekonstruiert werden, weil man nur sehr fragmentarische Infos hat. Das produzierte Tier hätte kaum Überlebenschancen.»

Mit der Klimaänderung und dem Schmelzen vom Permafrost kann man schon erwarten, mehr Entdeckungen zu machen.

In weiten Regionen Sibiriens ist der Boden seit Jahrtausenden dauerhaft gefroren – optimale Bedingungen, um Tiere als gefrorene Mumien zu erhalten. Trotzdem sind bis heute weniger als 15 vollständige Mammutmumien bekannt. Warum?
Loïc Costeur: «Wir sprechen über eine riesige Region, mit sehr feindlichem Klima. Man kann nicht das ganze Jahr durch 10 Stunden pro Tag recherchieren und ausgraben. Die Entdeckungen sind eher Zufälle, und viele von den möglichen gefrorenen Tieren sind tief im Boden zugedeckt. Das heisst, mit der Klimaänderung und dem Schmelzen vom Permafrost kann man schon erwarten, mehr Entdeckungen zu machen.»

 

Naturhistorisches Museum Basel
Mumien. Rätsel der Zeit
16.09.2016 – 30.04.2017
www.museenbasel.ch

 Ergänzendes Buch zum Thema : «MUMIEN — Der Traum vom ewigen Leben»

Comments

  • Silvia Schmuckli
    REPLY

    Interessanter Artikel, danke dafür. Bringt Licht ins Dunkel einer meiner unzähligen Wissenslücken. Lebenslanges Lernen!

    Januar 4, 2017

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