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Über mich

Christa Wüthrich ist freie Journalistin. Als Autorin, Lehrerin und IKRK Delegierte hat sie im In- und Ausland gearbeitet.

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Grenzenlose Bierlaune

Grenzenlose Bierlaune

Während in Europa der Biermarkt stagniert, wächst der Bierkonsum in Asien. Im Trend liegen natürliche Biere – wie das Quöllfrisch der Brauerei Locher aus Appenzell.

Teuer und schlechte Qualität. Shumit Chanda, ein gebürtiger Berner und passionierter Biertrinker, lebte während Jahren im Ausland und vermisste dabei vor allem eines: Gutes und bezahlbares Bier. Als der ehemalige UN-Mitarbeiter nach Singapur zog – wo das tropische Klima jeden Tag zu einem potentiellen Biertag macht – kontaktierte der 40 Jährige die Brauerei Locher in Appenzell. «Für mich gehört das Appenzeller Bier weltweit zu den Besten. Karl Locher schickte mir umgehend 30 Flaschen zur Probe», erinnert sich Chanda. «Als ich das Packet im April 2008 abholte roch es in der Poststelle nach Bier. 16 Flaschen waren zerbrochen. Mit den restlichen 14 Flaschen startete ich «Swiss Dreams», ein Import Unternehmen mit Sitz in Singapur». Heute, fünf Jahre nach der ersten Probelieferung, hat sich das Appenzeller Bier im asiatischen Kleinstaat etabliert. Und es scheint, als könnten die Asiaten nicht genug davon bekommen. Alle sechs Wochen wird aus Appenzell ein Container mit rund 6000 Litern Bier geliefert: Quöllfrisch, Vollmond, Weizen, Holzfass. Keine Chance bekommt in Singapur das Hanfbier. Der für seine «Null-Toleranz-Politik» bekannte Staat (auf Drogenmissbrauch steht die Todesstrafe durch Erhängen) hat dessen Einfuhr strikte verboten.

Nischenprodukt versus Massenbier
Getrunken wird das Appenzeller Bier nicht nur von Exilschweizern, sondern vor allem von jungen hippen Einheimischen in den trendigen Hotels und Bars der Stadt. «Es gibt in Asien immer mehr Biertrinker die neugierig auf organische Biere sind und sich bewusst gegen die industrielle Massenware entscheiden», erklärt Chanda das Interesse an Quöllfrisch und Co. Preislich (mit rund sechs bis neuen Franken pro Flasche) ist das Schweizer Nischenprodukt ein wenig teurer als zum Beispiel Heineken. Dafür bekomme der Kunde Qualität und guten Service (in ganz Singapur gibt es rund 30 Appenzeller Zapfhähne). «Das einheimische Tigerbier wird industriell mit präpariertem Wasser aus Malaysia gebraut. Vergleichbar mit einem leichten, klaren Bier aus Seealpsee-Wasser ist das in keiner Weise », ist sich Bierexperte Chanda sicher.

An der Hochzeit von Shumit Chanda in Graubünden war Karl Locher nicht nur als Gast dabei, sondern lieferte auch das Bier: Acht verschiedene Appenzeller Sorten und das mitten ins tiefsten Calanda-Land.

«Es ist eine grosse Leistung, dass unser Quöllfrisch an vielen Orten in Singapur erhältlich ist», betont Karl Locher, Geschäftsleitungsmitglied der Brauerei Locher AG. Für das Familienunternehmen geführt in fünfter Generation ist Singapur neben Japan, Taiwan und China die vierte asiatische Exportdestination. Über eine ausgeklügelte Exportstrategie verfügt die Brauerei jedoch nicht. Nur zwei Prozent des gesamten Ausstosses wird exportiert. «Wir haben keinen aktiven Verkauf für den Export. Interessenten kontaktieren uns und möchten unser Bier exportieren. Dann gibt es zuerst viele Abklärungen bezüglich Gesetzen oder den Auszeichnungen auf den Etiketten. Wenn alles bewilligt ist, steht dem Export nichts im Wege.» Karl Locher und Shumit Chanda hat die gemeinsame Bierleidenschaft zu Freunden gemacht. Locher war schon öfters in Singapur zu Besuch und Chanda schwärmt von Appenzell und dem Seealpsee. An der Hochzeit von Shumit Chanda in Graubünden war Karl Locher nicht nur als Gast dabei, sondern lieferte auch das Bier: Acht verschiedene Appenzeller Sorten und das mitten ins tiefsten Calanda-Land.

publiziert 16. märz 2014, Ostschweiz am Sonntag

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