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Über mich

Christa Wüthrich ist freie Journalistin. Als Autorin, Lehrerin und IKRK Delegierte hat sie im In- und Ausland gearbeitet.

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Die Flügel gestutzt

Die Flügel gestutzt

«Mit 59 Jahren ins Altersheim zu ziehen, obwohl man keine Pflege braucht, ist keine einfache Entscheidung. Ich hatte nicht die Kraft mich um Vorurteile zu kümmern, nicht die Energie mich gegen diesen Umzug zu wehren. Klar war, dass ich nach zwei Rückenoperationen und der Diagnose Parkinson nicht mehr alleine wohnen konnte. Das Alterszentrum in Gais nahm mich auf, obwohl es keinen freien Platz gab. Ich wohnte zuerst im Ferienzimmer, dann bekam ich eine permanente Bleibe.

Mein Gang ist leicht schwankend. Manchmal schauen mich die Leute an und denken wohl: Was hat die schon wieder getrunken?

Ich habe viel von der Welt gesehen und mir meine Reiseträume erfüllt. In Tanzania habe ich zusammen mit meinem Partner mehrere Jahre gelebt. Die Zeit bleibt unvergesslich. Freiheit und Unabhängigkeit waren immer wichtig. Heute ist jeder Ausflug, jede Fahrt ins Dorf geplant. Zu Fuss kann ich kurze Strecken zurücklegen. An guten Tagen komme ich sogar etwas weiter. Mein Gang ist leicht schwankend. Manchmal schauen mich die Leute an und denken wohl: Was hat die schon wieder getrunken? Dabei bin ich absolut nüchtern. Der schwankende Gang, die Gelenk- und Muskelblockaden sind Zeichen von Parkinson. Dazu kommen zitternde Hände und Mühe meine Bewegungen zu kontrollieren. Mein Bewegungsradius ist kleiner geworden, wie bei einem Vogel, dem man die Flügel gestutzt hat.

Zur Krankheit und dem Jobverlust kamen die Scheidung und ein Wohnungswechsel. Ich verlor alle Säulen, die mein Leben bis anhin stützten. Die Zugehörigkeit kam mir abhanden.

Vor zehn Jahren merkte ich, dass ich meinen Körper nicht mehr kontrollieren konnte. Die Finger zitterten, der Fuss gehorchte mir nicht mehr. Kurz später bekam ich die Diagnose Parkinson. Zuerst verleugnete ich die Krankheit, hoffte auf eine Fehldiagnose. Doch die Einschränkungen nahmen zu. Meine Bewegungen wurden zittriger und langsamer. Ich verlor meine Arbeit als Arbeitsagogin. Zur Krankheit und dem Jobverlust kamen die Scheidung und ein Wohnungswechsel. Ich verlor alle Säulen, die mein Leben bis anhin stützten. Die Zugehörigkeit kam mir abhanden.

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Mein Umfeld hat sich reduziert, Symbolisch dafür stehen die Wohnungswechsel. Vom Haus, in eine Wohnung, in ein einzelnes Zimmer. Man muss acht geben, sich nicht auch selbst zu reduzieren und damit langsam von der Bildfläche zu verschwinden. Ich habe gelernt um Hilfe zu bitten; dankbar zu sein für das Umfeld, welches mir geblieben ist: Kinder, Familie, Freunde. Ob Umzug, Operationen oder Medikamentenwahl: die Entscheidungen der vergangenen Jahre habe ich alle selbst gefällt. Für diese Selbstbestimmung bin ich enorm dankbar.

Parkinson ist nicht tödlich. Die Vorstellung, nicht mehr gebraucht zu werden, einsam zu sein, weckt Ängste.

Das Leben im Altersheim konfrontiert mich täglich mit dem Älterwerden und Sterben. Doch Parkinson ist nicht tödlich. Die Vorstellung, nicht mehr gebraucht zu werden, einsam zu sein, weckt Ängste. Ich suche den Kontakt zur Aussenwelt, wo es möglich ist. Ich besuche Vorträge, Kurse, Veranstaltungen und habe nun Zeit für meine Hobbies. Aus Schwemmholz und Metall entwerfe ich Engel und Figuren. Besucher empfange ich gerne. Ich geniesse es in Gesellschaft zu sein. Ein guter Tag ist für mich ein Tag mit Gesprächen und Begegnungen. Sie geben mir die nötige Kraft mein Leben zu meistern.

Rita Enz, 60 Jahre, Gais

Publiziert 16. Februar 2013, Appenzeller Zeitung

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